In der Welt der Finanzmärkte ist das Sprichwort „Hin und Her macht Tasche leer“ eine alte Börsenweisheit, die so aktuell ist wie eh und je. Doch was steckt genau dahinter? Warum kann ein ständiges Kaufen und Verkaufen – auch als Overtrading bezeichnet – so schädlich für die Rendite sein?
Was ist Overtrading?
Overtrading bezeichnet ein Verhalten, bei dem Anleger häufig und meist übermäßig viele Transaktionen auf ihren Konten durchführen. Dabei handelt es sich oft um impulsive Entscheidungen, die nicht immer auf einer fundierten Analyse basieren. Dieses Verhalten ist sowohl bei Anfängern als auch bei erfahrenen Tradern zu beobachten und kann verschiedene Ursachen haben:
- Emotionale Entscheidungen: Angst, Gier oder das Bedürfnis, Verluste schnell wieder auszugleichen, treiben Anleger oft zu übereiltem Handeln.
- FOMO (Fear of Missing Out): Die Angst, eine große Chance zu verpassen, verleitet viele dazu, zu häufig in den Markt einzugreifen.
- Fehlender Plan: Ohne eine klare Strategie handeln Anleger oft auf Basis von Bauchgefühl oder kurzfristigen Nachrichten.
Die Kosten des Overtradings
Overtrading kann nicht nur mental belastend sein, sondern vor allem die Rendite erheblich mindern. Hier sind die wichtigsten Faktoren, die dabei eine Rolle spielen:
- Transaktionskosten Jede Kauf- oder Verkaufsentscheidung ist mit Gebühren verbunden. Diese können in Form von Provisionen, Spreads oder anderen Handelsgebühren anfallen. Bei häufigen Trades summieren sich diese Kosten schnell und können einen erheblichen Teil der Rendite aufzehren. Selbst in Zeiten niedriger Gebühren – etwa durch Discount-Broker – bleibt das Problem bestehen, insbesondere für Kleinanleger.
- Steuerliche Belastungen Jeder Gewinn aus einem Verkauf kann steuerpflichtig sein. In vielen Ländern gibt es eine Abgeltungssteuer, die auf Kapitalerträge erhoben wird. Wer häufig handelt, realisiert oft Gewinne (und Verluste), die sofort versteuert werden müssen, was die Netto-Rendite weiter schmälert.
- Emotionale Kosten und Stress Ständiges Beobachten der Märkte und das Gefühl, stets handeln zu müssen, erzeugen Stress und können die Lebensqualität beeinträchtigen. Dieser psychologische Druck kann zu noch mehr impulsiven Entscheidungen führen – ein Teufelskreis.
- Verlust von langfristigen Chancen Eine ständige Rotation von Positionen kann dazu führen, dass Anleger nicht von langfristigen Aufwärtstrends profitieren. Studien zeigen, dass eine Buy-and-Hold-Strategie in vielen Fällen die beste Methode ist, um von den Renditen der Finanzmärkte zu profitieren.
Warum verfallen Anleger dem Overtrading?
Overtrading ist oft das Ergebnis einer Kombination aus psychologischen, technischen und sozialen Faktoren. Die nachfolgenden Punkte verdeutlichen, warum Anleger in diese Falle tappen:
- Emotionale Kontrolle: Die Märkte können emotionale Reaktionen wie Angst und Gier hervorrufen. Anleger, die nicht in der Lage sind, ihre Emotionen zu kontrollieren, handeln oft impulsiv.
- Zugang zu Technologie: Moderne Handelsplattformen machen den Aktienhandel einfacher denn je. Mit wenigen Klicks können Anleger Kauf- oder Verkaufsaufträge platzieren, was die Versuchung erhöht.
- Medieneinflüsse: Finanznachrichten, Social Media und Influencer können Anleger dazu bringen, auf jede kleine Marktbewegung zu reagieren.
- Adrenalinkick: Der Handel an den Finanzmärkten kann für viele wie ein Spiel wirken. Die Spannung und der Reiz, kurzfristige Gewinne zu erzielen, verleiten einige dazu, Trading wie ein Glücksspiel zu betreiben.
Der langfristige Schaden durch Overtrading
Die Rendite eines Portfolios wird durch Overtrading auf mehrere Weisen geschädigt. Ein ähnlich anschauliches Beispiel ist die Wirkung von Reibungsverlusten in einem mechanischen System: Je mehr Energie durch Reibung verloren geht, desto weniger bleibt übrig, um das Ziel zu erreichen. Hier sind die Hauptpunkte:
- Verpasste Marktgewinne Langfristig steigt der Marktwert vieler Anlageklassen, insbesondere Aktien. Anleger, die häufig traden, verpassen oft die besten Tage an den Börsen, was die Gesamtrendite erheblich schmälern kann.
- Der Effekt des „Compounding“ wird geschwächt Zinseszins-Effekte funktionieren am besten, wenn Kapital über einen langen Zeitraum investiert bleibt. Häufiges Handeln entzieht Kapital und vermindert somit den Nutzen des Compounding.
- Erhöhter Risiko-Level Mit jedem Trade erhöhen sich auch die Risiken. Es ist unwahrscheinlich, dass jeder Handel Gewinn bringt. Ständiges Handeln kann daher mehr Verluste als Gewinne generieren.
Wie kann man Overtrading vermeiden?
Glücklicherweise gibt es Wege, wie Anleger ihr Verhalten ändern und so die Rendite verbessern können. Hier sind einige Strategien:
- Einen klaren Plan erstellen Eine gut durchdachte Anlagestrategie hilft, impulsives Handeln zu vermeiden. Ein Investmentplan sollte langfristige Ziele, Risikotoleranz und eine Asset-Allokation beinhalten.
- Automatisierte Strategien verwenden Robo-Advisors oder regelbasierte Investmentstrategien können helfen, menschliche Fehler und Emotionen aus dem Prozess zu entfernen.
- Bildung und Disziplin Das Verstehen der Finanzmärkte und der eigenen Emotionen kann dabei helfen, überlegte Entscheidungen zu treffen. Eine kontinuierliche Weiterbildung über Finanzthemen ist hier von Vorteil.
- Kostenbewusstsein Anleger sollten sich bewusst sein, wie hoch ihre Transaktionskosten sind und wie diese ihre Rendite beeinflussen. Das Wissen um diese Kosten kann motivieren, weniger zu handeln.
- Langfristig denken Anstatt kurzfristigen Bewegungen zu folgen, sollten Anleger sich auf ihre langfristigen Ziele konzentrieren. Eine Buy-and-Hold-Strategie kann dabei helfen, den Stress zu minimieren und die Rendite zu maximieren.
„Hin und Her macht Tasche leer“ ist nicht nur eine schlaue Weisheit, sondern eine Mahnung, sich vor den Gefahren des Overtradings zu hüten. Ständiges Kaufen und Verkaufen mindert die Rendite durch Transaktionskosten, Steuerbelastungen und verpasste Chancen. Um langfristig erfolgreich zu investieren, ist es wichtig, diszipliniert und strategisch vorzugehen. Anleger, die ihre Emotionen kontrollieren, Kosten minimieren und sich auf ihre langfristigen Ziele konzentrieren, werden am Ende des Tages belohnt – mit einer vollen Tasche statt einer leeren.
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